Virtuell flirten: Verändert Online-Dating unsere Zukunft?

Tinder? Ich doch nicht! Fast jeder kennt es, viele nutzen es, aber kaum jemand steht dazu: Gerade bei Millenials ist die Dating-App Tinder besonders beliebt. Dabei geht es weniger darum, dort den Partner fürs Leben aufzustöbern. Es geht um Spass, Nervenkitzel und ums Flirten aus sicherer Distanz. Warum sich unter den zahllosen Dating-Apps ausgerechnet Tinder durchgesetzt hat?

Das und vieles mehr zum Thema Social Media Marketing erfährst du in unserem Social Media Manager Kurs. Bevor wir aber anfangen die Zukunftsaussichten des Flirtens zu analysieren, hier erst einmal ein paar grundlegende Infos zum globalen Marktführer im Bereich Dating-Apps – für den Fall, dass du tatsächlich noch nie auf Tinder warst.

Tinder: How to

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Bei Tinder meldest du dich über Facebook oder mit der Telefonnummer deines Smartphones an. Mit ein paar Klicks erstellst du dein Profil: Die Fotos importiert Tinder aus Facebook und schon hast du für die virtuelle Flirt-Community ein Gesicht. In deinen Einstellungen kannst du das bevorzugte Geschlecht deiner künftigen Flirt-Partner festlegen – oder zu diesem Punkt keine Präferenzen angeben.

Ausserdem stellst du ein, in welchem Umkreis deines Standorts du nach Kontakten suchst. Dabei hast du die Wahl zwischen einem Umkreis von 2 bis hin zu 160 Kilometern. Tinder benutzt GPS um deinen Standort zu lokalisieren. Zudem kannst du angeben, welche Altersgruppe zwischen 18 und 50 Jahren für dich infrage kommt. Damit ist die Einstiegszeremonie eigentlich schon beendet. Optional gibt es noch die Möglichkeit, mit 500 Zeichen irgendetwas über dich zu erzählen.

Das war es dann aber auch schon. Zusätzliche Infos zu gemeinsamen Interessen und Freunden auf Facebook erhalten deine Flirt-Partner über die Vernetzung mit deinem Facebook-Profil. Dabei ermittelt Tinder eure gemeinsamen Interessen aus den Seiten, die du bei Facebook mit einem Like versehen hast. Tinder basiert auf einem lernfähigen Algorithmus. Je häufiger du die App benutzt, desto besser lernt sie deine persönlichen Vorlieben kennen. Dadurch passen mit der Zeit die Partner-Vorschläge immer besser zu dir.

Tinder nutzen: Swipe und weg!

Social Media Tinder Dating App Swipe und weg

Es gibt wohl kaum eine App, die einfacher zu bedienen ist als Tinder – jeder Erstklässler könnte intuitiv die einzelnen Funktionen erfassen. Tinder präsentiert dir die generierten Kontaktvorschläge wie einen Stapel Spielkarten. Wenn die der aktuelle Vorschlag gefällt, wischst du die Karte nach rechts. Andernfalls wischst du ihn nach links. Anschliessend erscheint ein neuer Kontaktvorschlag.

Wenn einer deiner „Auserwählten“ deine Karte ebenfalls nach rechts wischt, entsteht ein sogenanntes „Match“. Tinder benachrichtigt dich dann und du kannst einen Chat mit deinem neuen Flirt-Partner eröffnen. Einer der Erfolgsfaktoren von Tinder ist die benutzerfreundliche Bedienung der App – was allerdings die erhältlichen Informationen zu den vorgeschlagenen Partnern stark einschränkt.

Die Bewertungen werden hauptsächlich aufgrund optischer Gesichtspunkte erteilt – was einer gewissen Oberflächlichkeit Vorschub leistet. Tinder ist aber ohnehin nicht als Heiratsmarkt konzipiert. Die meisten User sehen das Ganze eher als Spiel. Fast die Hälfte aller Männer wischt sämtliche Frauenprofile ausnahmslos nach rechts, um die eigenen Chancen zu erhöhen. Frauen sind da gewissenhafter, auch wenn sie Umfragen zufolge Tinder weniger ernst nehmen als Männer: Sie liken im Durchschnitt nur jeden siebten Mann.

Warum Online-Dating auf Tinder so beliebt ist

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Schon in den 1990igern tauchten die ersten Dating-Sites und Chatrooms im Netz auf. Richtig aktuell wurde das Online-Dating aber erst mit dem Auftauchen der ersten Smartphones. Im Handumdrehen tauchten Dating-Apps auf, die es den Nutzern ermöglichten, sich mit anderen Usern aus ihrer Region in Verbindung zu setzen. Als die standortbezogene Dating-App im Jahr 2013 für sämtliche Smartphones verfügbar war, legte sie einen überraschenden Senkrechtstart hin. Bis Ende 2014 gab es weltweit mehr als 40 Millionen Smartphone-Besitzer, die Tinder heruntergeladen hatten.

Laut Angaben der Match Group Inc. in Texas – der Muttergesellschaft von Tinder – hat die App im Jahr 2020 etwa 50 Millionen aktive Nutzer. Sie erzeugen täglich im Durchschnitt 1,6 Milliarden Swipes und 26 Millionen Matches. 2013 ermittelte das amerikanische Marktforschungsunternehmen Paragon Poll, dass etwa 20% der Tinder-Nutzer mindestens ein Mal den Sprung aus der virtuellen Welt in die Realität gewagt haben. Für eine Dating-App scheint das – oberflächlich betrachtet – ein recht entmutigender Prozentsatz zu sein: so wenige Rendezvous nach so viel Aufwand?

Dabei darfst du aber nicht ausser Acht lassen, dass Tinder viel mit Gaming gemeinsam hat. Es geht den meisten Usern offensichtlich mehr um den Nervenkitzel beim virtuellen Flirt als darum, tatsächlich einen potenziellen Sex- oder Flirtpartner kennen zu lernen. 80% der Nutzer “spielen” also auf Tinder. Nicht nur das Swipen erinnert an Gaming – auch das Suchtpotenzial der Dating-App kann Computerspielen problemlos das Wasser reichen.

Digital Marketing Flirten im Web

Dr. M. Merzenich, ein Wissenschaftler aus dem Bereich Gehirntrainings-Software, meint zur Suchtwirkung von Dating-Apps: „Das Belohnungssystem des Gehirns benötigt keine tatsächliche Belohnung um Dopamin auszuschütten. Es setzt ebenso Dopamin frei, wenn es eine zukünftige Belohnung erwartet.“ Es reicht also völlig aus, dass du auf Tinder deine Matches durchblätterst, damit du in Hochstimmung gerätst. Dein Belohnungssystem unterscheidet nicht zwischen der Vorfreude und der Aufregung vor einem tatsächlichen Date und dem Nervenkitzel beim Chat mit einem virtuellen Partner.

Tinder ist demnach nicht nur so beliebt, weil die App kinderleicht zu bedienen ist. Sie ist auch eine willkommene Spielwiese für Menschen, die in der realen Welt zwar gern flirten würden, es aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht tun. Zudem sorgt sie für Nervenkitzel, Erfolgserlebnisse und Frühlingsgefühle. Für den Grossteil seiner Nutzer steht Tinder fürs Flirten ohne Risiko.

Wer nutzt die Dating-App Tinder?

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Tinders Hauptzielgruppe ist zwischen 18 und 34 Jahre alt. Offensichtlich soll das auch so bleiben: Zwar sind die App und ein Grossteil der Funktionen kostenlos, die Preise für Zusatzfunktionen sind aber altersmässig gestaffelt. Je älter du bist desto teurer werden die Tinder-Abos für Premium-Funktionen.

Tinder Plus kostet dich je nach Alter von CHF 6.- bis zu CHF 22.- per Monat. Für Tinder Gold musst du von CHF 16.- bis zu CHF 40.- monatlich hinlegen. Angeblich soll diese Staffelung die Jüngeren begünstigen, weil sie üblicherweise weniger verdienen als Ältere. Es könnte aber auch dazu dienen, die Nutzergruppe weitgehend auf Generation Y und Z einzuschränken – ohne dabei ältere Nutzer explizit auszuschliessen.

Jetzt weisst du schon recht viel über die Dating-App Tinder und ihre Nutzer. Wenn du dich für Multimedia-Marketing interessierst, hast du bestimmt schon festgestellt, dass auf Tinder eine interessante Zielgruppe erreicht werden kann. Hier ein grober Überblick über das Profil eines „typischen Nutzers von Tinder“:

  • Single
  • zwischen 18 und 34 Jahre alt
  • Flirt-affin
  • optisches Erscheinungsbild ist ihm/ihr wichtig
  • eher nicht bindungswillig
  • mag wahrscheinlich Nervenkitzel ohne Risiko
  • lebt vielleicht seine realen Bedürfnisse in der virtuellen Welt aus
  • Werden Dating-Apps die Zukunft des Flirtens verändern?

Der nächste Schritt: Virtual Reality

Ein Vertreter von Tinder erwähnte kürzlich, dass im Unternehmen darüber debattiert wird, ob die Nutzer der Dating-App demnächst auch Zugriff auf VR bekommen sollen. Nachdem du weiter oben schon erfahren hast, dass viele Nutzer die App scheinbar als Ersatz für ein reales Erlebnis verwenden, kannst du dir bestimmt ausmalen, welche Szenarien dadurch entstehen könnten. Die Vorstellung, dass Menschen allein daheim sitzen und ihren Flirt durch eine VR-Brille betrachten, klingt nach destruktiven Fantasien.

Virtual Reality Dating

Wenn du dann noch das Suchtpotenzial von Dating-Apps hinzurechnest, scheint das herkömmliche Flirten tatsächlich in Gefahr zu geraten. Allerdings haben die meisten Dating-Apps mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen, was zumindest bei uns in Europa ihren Nutzerkreis etwas einschränkt. Hinzu kommt, dass viele Nutzer die Flirt-Apps nach einer Weile als langweilig empfinden und nach anderen virtuellen Nervenkitzeln Ausschau halten. Selbst wenn die Apps weitere Features wie VR anbieten, werden sich viele Menschen bald wieder nach den traditionellen Schmetterlingen im Bauch sehnen.

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Wenn wir davon ausgehen, dass sich langfristig ohnehin nur diejenigen vermehren werden, die ihre Rendezvous in der realen Welt abhalten, sind Dating-Apps zumindest keine Bedrohung der menschlichen Rasse.

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In jedem Fall sind sie aber ein interessanter Marketing-Kanal, der noch wenig genutzt wird. Mit entsprechend kreativen Ansätzen können findige Köpfe hier für kleines Geld vielversprechende Inbound-Marketing-Kampagnen starten. Möchtest du mehr darüber erfahren? Dann schau dir doch einmal unseren Social Media Manager Kurs an.

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